‚The Biggest Loser‘: Ein Weg, viel Gewicht zu verlieren?

Durch eine Studie mit den Teilnehmern der Abnehm-Show ‚The Biggest Loser‘ konnten Wissenschaftler nachweisen, Übergewicht und Adipositas hängen nicht von der Disziplinlosigkeit und Faulheit der Betroffenen ab – leider noch immer gängige Vorurteile gegenüber übergewichtigen Menschen.

Die Show hat hohe Einschaltquoten. Abgesehen von einem voyeristischen Aspekt, liegt dies begründet in der Hoffnung, die durch die dargestellte Gewichtsreduktion der Teilnehmer bei denjenigen entsteht, die selbst von Übergewicht und Adipositas betroffen sind. Dem Zuschauer wird während der Show suggeriert, man verliere mit viel Disziplin, Motivation und Fleiß an Gewicht.

Dies ist oberflächlich richtig… wie bei jeder restriktiven Diät. Alle, die einmal eine Diät gemacht haben, mussten jedoch die Erfahrung des Jo-Jo-Effektes machen. Das Gewicht, was man während der Diät verloren hatte, ist schnell zurück – oder man wiegt sogar noch mehr.

Da die Show eine Momentaufnahme ist und die Langzeitergebnisse nicht mehr dokumentiert, bekommt der Zuschauer auch nur einen Ausschnitt der die gängigen Vorurteile bestätigenden Entwicklungen bei den Teilnehmern präsentiert. Darüber klären die verantwortlichen Sender nicht auf.

Halten die Langzeitergebnisse dem Eindruck aus der Show stand?

Diese Aufgabe hat eine Langzeitstudie mit Teilnehmern der Show übernommen.

Es wurden 14 Teilnehmer untersucht. Am Ende der Show hatten diese durchschnittlich 58,3 kg Gewicht verloren. Durch die Gewichtsabnahme reduzierte sich der Energiegrundumsatz um durchschnittlich 610 Kalorien am Tag. Nach sechs Jahren hatten die Teilnehmer durchschnittlich 41 kg wieder zugenommen, während der tägliche Energiegrundumsatz weiterhin bei durchschnittlich 704 Kalorien unter dem Normwert des Energiegrundumsatzes lag.

Energiegrundumsatz nachhaltig gestört

Eine wichtige, auf andere restriktive Diäten anwendbare Erkenntnis der Studie ist, dass der Stoffwechsel zu Beginn der Show bei allen Teilnehmern normal funktionierte. Durch die ‚Biggest-Loser‘-Diät verlangsamte sich der Stoffwechsel derart, dass dieser sich auch nach vielen Jahren nicht erholte. Im Gegenteil. Je mehr ein Teilnehmer während der Show abgenommen hatte, desto schlechter war der Energiegrundumsatz.

Um das verlorene Gewicht jedoch halten zu können, müsste ein dem individuellen Gewicht und der Größe angemessener Energiegrundumsatz vorliegen. Einzelne Teilnehmer wiesen jedoch auch etliche Jahre nach der Show und trotz Gewichtswiederzunahme noch einen geringeren Energiegrundumsatz von ca. 700 Kalorien auf. Dieses Phänomen nennt man metabolische Adaption und ist u. a. verantwortlich für Jo-Jo-Effekte nach restriktiven Diäten. Denn je geringer mein Energiegrundumsatz ist, desto mehr Energie muss ich verbrauchen, um mein Gewicht zu halten oder sogar abzunehmen.

Verglichen wurde diesbezüglich auch eine Kontrollgruppe von bariatrisch Operierten (Roux-Y-Magenbypass). Diese erfuhren sechs Monate nach ihrer Operation die metabolische Adaption. Obwohl diese Gruppe weiterhin an Gewicht verlor, konnte ein Jahr nach der Operation keine metabolische Adaption mehr festgestellt werden. Das bedeutet, dass sich der Energiegrundumsatz im Normalbereich für Gewicht und Größe befand.

Was ist der Energiegrundumsatz?

Der Energiegrundumsatz beschreibt den Ruheverbrauch der Körperfunktionen. Muskeln, Organe, Stoffwechselprozesse, das Gehirn – all dies benötigt Energie, demnach Kalorien. Der Energiegrundumsatz errechnet sich aus dem individuellen Gewicht und auch der Größe des Menschen.

Ein Beispiel:

Frauen 31 bis 60 Jahre (140 kg Gewicht): Energiegrundumsatz ohne körperliche Aktivität liegt bei ca. 2380 Kalorien

Frauen 31 bis 60 Jahre (60 kg Gewicht): Energiegrundumsatz ohne körperliche Aktivität liegt bei ca. 1795 Kalorien

Männer 31 bis 60 Jahre (140 kg Gewicht): Energiegrundumsatz ohne körperliche Aktivität liegt bei ca. 2975 Kalorien

Männer 31 bis 60 Jahre (80 kg Gewicht): Energiegrundumsatz ohne körperliche Aktivität liegt bei ca. 2424 Kalorien

Hier wird deutlich, dass man die Kalorienzufuhr dem Gewicht anpassen muss, um das Gewicht zu halten oder abzunehmen.

Lessons to be learned

Die Vorurteile, Disziplin, Motivation und Fleiß führten zu einer nachhaltigen Gewichtsreduktion, kann auch diese Studie widerlegen. Ebenso Vorurteile, die jeder Übergewichtige schon gehört hat, es helfe, ‚einfach mal‘ mehr Sport zu treiben und weniger zu essen.

Ein langsamer, kontinuierlicher Gewichtsverlust durch eine konsequente und langfristige Umstellung der Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten ist zielführender als kurzfristige, restriktive Diätversuche mit Jo-Jo-Effekten.

Für Menschen mit extremem Übergewicht sind Diäten, die kurzfristig aus einem veränderten Ernährungsverhalten und mehr Bewegung bestehen, nur ein Bestandteil einer erfolgreichen Therapie, aber dürfen nicht der einzige Bestandteil sein. Bisher konnten Studien evident nachweisen, dass eine operative Adipositastherapie, die ergänzt wird mit einer konsequenten und langfristigen Veränderung des Ernährungs- und Bewegungsverhaltens, am ehesten geeeignet ist, langfristig extremes Übergewicht zu therapieren.

 

Quellen: Vgl. Fothergill et al. (2016): Persistent metabolic adaptation 6 years after „The Biggest Loser“ competion. In: Obesity 24(8), S. 1612ff. sowie Kolata (2016): After ‚The Biggest Loser‘, Their Bodies Fought to Regain Weight. In: The New York Times (Online unter https://www.nytimes.com/2016/05/02/health/biggest-loser-weight-loss.html?_r=0).